Texte-Archiv

 

 Altweibersommer

 

 „Altweiber“ – welch ein hässlich’ Wort!

Das mag ich gar nicht hören.

Es jagt die Menschen eher fort,

anstatt sie zu betören.

 

Dabei nennt dieser Ausdruck grad’

ein traumhaft’ Herbsteswetter.

Es treibt hinaus – zu Fuß, per Rad –

die Dörfler wie die Städter.

 

Die Sonne überzieht das Land

mit ihrem lichten Glanze.

Wenn auch die Blumenfülle schwand,

spiel’n Mücken noch im Tanze.

 

Die Sommervögel sind jedoch

schon lange fortgezogen.

Ein leises Piepsen hör ich noch,

ein Spätzchen kommt geflogen.

 

Der Bäume frisches Sommergrün

färbt sich nach gelb und rot.

Die allerletzten Blumen blüh’n,

noch leiden sie nicht Not.

 

Der Wald ist jetzt so anmutig,

es flattern Spinnenfädchen.

Da fühlen „alte Weiber“ sich

so wie die jungen Mädchen.

 

© Gisela Schäfer

 

 

 

Walking im Herbst

 

 Die Stöcke staken in den Grund,

der Blätterteppich raschelt leis’.

Die Sonne lacht mit Strahlenmund –

die Wärme angenehm, nicht heiß.

 

 Noch steht das Farnkraut aufrecht da,

jedoch zumeist schon trocken, braun.

Man spürt, der Abschied ist sehr nah,

nicht Schönheit mehr ist anzuschau’n.

 

 Das Laub färbt langsam sich nach bunt,

wenngleich sich Gold erst zaghaft zeigt.

Doch lasst uns nutzen diese Stund’,

eh’ sich der Sommer gänzlich neigt!

 

 Wer seine Augen offen hält,

und zwar zu jeder Jahreszeit,

der fühlt, sie ist doch schön, die Welt,

und nimmt es auf voll Dankbarkeit.

 

 

© Gisela Schäfer

 

 

 

November

 

Von

dem kalten Stein

starren

Namen und Daten

tröstend

streichelt

der Sonnenschein

über

die zittrigen Hände

die Blumen

in die Erde

graben

welke Blätter

in endloser Zahl

regnen

Vergänglichkeit

herab

 

© Gisela Schäfer