Mein Weg
Geschrieben habe ich immer schon gerne. Im Alter von 8 Jahren, als ich ohne meine Eltern im Sudetenland war, habe ich schon recht lange Briefe nach Hause geschickt. Auf der Höheren Schule erhielten meine Stimmungsbilder immer die besten Noten. Ich schrieb Tagebuch und verfasste Geschichten nur für mich allein. Später allerdings, als ich im Beruf stand und “nebenbei” drei Kinder groß zog, hatte ich zum Schreiben wenig Zeit. Wohl erstellte ich Texte, die ich im Unterricht verwandte. Richtig angefangen mit Schreiben habe ich nach dem Tode meines Mannes. Damals war das ein Teil Trauerarbeit, die ich auf diese Weise leistete. So entstand mein erstes Buch, “Am Ende wird alles gut.” Damit schien ein Bann gebrochen. Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu schreiben!
Auch gedichtet habe ich schon als Heranwachsende, habe damit aber zweimal Schiffbruch erlitten. Beim ersten Mal war ich, glaube ich, 12 oder 13 Jahre alt. Wir feierten damals den Geburtstag meiner ältesten Tante. Ich hatte mir erzählen lassen, dass Tante Martha - so hieß sie - als junges Mädchen mal mit ihrem Schrubber beim Putzen zwischen den Betten stecken geblieben war und laut um Hilfe gerufen hatte, weil sie glaubte, unter dem Bett läge einer! Ich bedichtete diese Story und glaubte großes Lob einzuheimsen. Stattdessen nahm Tante Martha mein geschriebenes Werk und warf es ärgerlich auf den Tisch; sie wollte nichts von dieser Geschichte hören, die ihr sehr peinlich war.
Im selben oder im folgenden Jahr erlebte ich einen zweiten Tiefschlag für meine Dichtkunst. Auf dem Schulhof kamen wir mit einigen Schülerinnen auf die Ídee, etwas über die Schule zu dichten. Am nächsten Montag sollte jeder etwas mitbringen. Die Einzige, die dieser Aufforderung nachkam, war ich! Als ich mein Werk, eine Glosse über den Deutschunterricht, vorlas, waren alle hellauf begeistert und erteilten mir den Auftrag weiterzumachen, und ich, angeregt durch die Anerkennung, steigerte mich immer mehr. Mein Gedicht endete: “Alles atmet’ froh und frei, als die Deutschstund’ war vorbei.” Als ich so weit war, ging eine Mitschülerin zu unserer Klassenschwester und sagte, eine aus der Klasse hätte etwas über die Schule gedichtet, ob ich das mal vorlesen dürfte (ich wurde ständig zum Vorlesen herangezogen). Schwester Maria Alfonsa erlaubte es, und ich begann mit meinem Vortrag. Die Klasse feixte ständig. Das Gesicht meiner Lehrerin konnte ich nicht sehen, weil sie halb schräg hinter mir stand. Als ich geendet hatte, schaute ich zu ihr hin und wartete auf ihre Reaktion, meine Mitschülerinnen ebenfalls, bereit, in Jubel auszubrechen. Aber Schwester Maria Alfonsa schwieg erst mal, und mir schwante Ungutes. Nach langer Zeit sagte sie: “Ich dachte, ihr hättet den Deutschunterricht gerne. Es enttäuscht mich sehr, dass ihr so darüber denkt.” Ich setzte mich sehr betreten hin, und auch die anderen Mädchen, die vorher so begeistert gewesen waren, gaben keinen Ton von sich. Na ja, die hatten das Werk ja auch nicht auf dem Gewissen. Aber ich! Am nächsten Tag passte ich Schwester Maria Alfonsa ab und bekannte mich als die Übeltäterin, die das Gedicht verbrochen hatte. Sehr kleinlaut sagte ich, es stimmte gar nicht, dass ich den Deutschunterricht nicht mochte, ich hätte nur alles übertrieben, um zum Lachen zu reizen. Sie schaute mich sehr gütig an und erwiderte, es wäre schon gut, sie wäre mir nicht böse. Aber ich sollte doch künftig nichts schreiben, was ich nicht auch so dächte. Damit war ich entlassen. Ihr Verhalten mir gegenüber, das immer liebevoll gewesen war, hat sich übrigens nicht geändert durch diese Geschichte. Sie hat mir also diesen Ausrutscher verziehen.
Jahrelang habe ich dann nicht mehr zu dichten gewagt, - aus Angst, ich könnte jemanden beleidigen. Erst als ich 20 und mehr war, habe ich wieder angefangen, meist Gedichte zum Geburtstag oder lustige Begebenheiten.
Ernste Gedichte wurden ausgelöst durch eine Begebenheit, die ich vor mehr als zehn Jahren auf einem Berg in Sedona/Arizona erlebte. Ich nahm damals an einem spirituellen Seminar teil. Eines Abends erhielten wir von unserer Lehrerin den Auftrag, ein Stück einen Felsen hochzuklettern und den Sonnenuntergang zu beobachten. Dabei sollten wir jeder für sich bleiben und schweigend verharren. Als ich da auf dem steinigen Boden saß, den tiefblauen Himmel über mir und ringsum nur Kakteen und Gestrüpp auf dem roten Felsen, hatte ich plötzlich in mir - “Bizarre Formen ragen empor - aus uralten dämmernden Zeiten”. Ich verstand sofort, dass etwas dazwischengehörte, holte Papier und Stift heraus (habe ich immer bei mir!) und fing an zu schreiben. Es floss ganz leicht, und als ich nach einer halben Stunde wieder hinabkletterte, was das Gedicht fertig, mein erstes ernstes Gedicht, das ich heute noch sehr liebe. Danach fing ich an Lyrik zu schreiben, erst recht, als ich den Internetforen keinVerlag und Lyriktreff beitrat und dort durch das Lesen anderer Gedichte und die Kommentare anderer Autoren auf meine Werke eine Menge hinzulernte. Mittlerweile gehöre ich beiden aber nicht mehr an. Stattdessen wirke ich jetzt in Ritas Forum und Aramiese. Auch da hilft einem der Austausch sehr bei der Entwicklung der poetischen Fertigkeiten. In 2008 habe ich ein Jahr lang ein lyrisches Fernstudium mitgemacht, was mir große Freude bereitete.
Sehr wichtig für mich sind auch zwei Autorengruppen: die Schreibwerkstatt der VHS Dormagen und die Autorenvereinigung Kleeblatt im Rheinkreis Neuss. Der Schreibwerkstatt gehöre ich seit sieben Jahren an. Wir treffen uns im Semester einmal alle 14 Tage, machen Schreibspiele, fertigen “Hausaufgaben” an und besprechen gegenseitig die Texte, natürlich hilfreich und konstruktiv. Es ist ein sehr fruchtbares und erfreuliches Miteinander. - Das Kleeblatt besteht offiziell seit zweieinhalb Jahren. Hier ist es so, dass wir nicht miteinander schreiben, aber Lesungen durchführen und an gemeinsamen Büchern arbeiten. Wir treffen uns einmal im Monat, wobei die Gespräche sich (fast) immer um das Lesen und Veröffentlichen drehen. Auch in dieser Gemeinschaft fühle ich mich rundum wohl.
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Inzwischen hat sich seit den vorherigen Zeilen einiges geändert. Das Forum Aramiese nicht mehr, auch Opinio, wo ich ein Jahr lang aktiv war, gibt es nicht mehr, und die Schreibwerkstatt in Dormagen ist auch nicht mehr da, weil die Leiterin in den Ruhestand ging. Ich schreibe aber weiter in Ritas Forum und in dem neuen Forum Kantopia.